Auf dem Markt Lisa fror, sie brauchte dringend Schal und Winterstiefel. Von einem Tag zum anderen hatte sie den Einkauf verschoben. Nicht, dass sie keine Zeit gehabt hätte. Seit sie arbeitslos war, hatte sie zu viel davon. Vor zwei Jahren konnte sie sich vor Überstunden nicht retten, es fehlte jede freie Minute. Nun fehlte das Geld. Bis zum Herbst hatten die meisten Kleidungsstücke noch gehalten. Aber nun musste es sein. Lisa würde selbstsicher und mit guter Laune die Straße hinuntergehen und sich auf dem Markt umsehen. Die beste Zeit war der Vormittag. Am Nachmittag kamen die vielen Leute, die noch Geld verdienten, mit der Bahn von der Arbeit. Lisa würde sich beeilen. Aber die Stiefel musste sie anprobieren! Geschafft, sie hatte die Kleidungsstücke! Zu Hause schaute sie die Sachen näher an: die Stiefel waren warm gefüttert, der Schal aus weichem Flies. Lisa würde niemandem erzählen, wo sie beides gekauft hatte. Wenn sie immer Sommer auch soviel Glück hatte, würde ihr Geld für den Telefonanschluss und das neue Bett reichen. Natalie Laska: lebt, erlebt und schreibt in Hellersdorf Kontakt: K. Schmidt, Am Baltenring 78, 12619-Berlin