“Haben Sie einen Wagen?” “So was Ähnliches”, sagte Tommy. Arkadi hatte nie zuvor in einem Trabant gesessen. Es war eine Glasfaserwanne mit Haifischflossen. Die beiden Zylinder keuchten asthmatisch, und dichte Rauchwolken stiegen aus dem Auspuffrohr auf. Sie fuhren mit heruntergekurbelten Vorderscheiben, die hinteren Fenster ließen sich nicht öffnen. Jedesmal, wenn ein Mercedes oder ein Audi sie überholte, begann der Trabant in ihrem Luftsog zu schlingern. “Wie finden Sie ihn?” fragte Tommy. “Es ist, als ob man sich mit einem Rollstuhl auf die Straße traut”, sagte Arkadi. “Es ist mehr eine Investition als ein Auto”, sagte Tommy. “Der Trabi ist ein Stück Geschichte. Abgesehen davon, dass er langsam und gefährlich ist und die Luft verpestet, ist er wahrscheinlich das am besten funktionierende technische Aggregat, das es heute gibt. Er macht achtzig Kilometer die Stunde und läuft auch mit Methangas oder Steinkohlenteer - vermutlich sogar mit Haarwasser.” “Klingt eher russisch.” Der Trabant ließ Arkadis Schuguli daneben wie in Luxusauto erscheinen. “In zehn Jahren ist das ein Sammlerstück”, prophezeite Tommy selbstsicher. Sie hatten den Standrand erreicht, bald würden sie auf der Autobahn fahren. Als Arkadi sich umdrehte, um zu sehen, ob ihnen jemand folgte, brach der Sitz fast unter ihm zusammen. Das Gesicht von Tommy glühte. Tommy muss ein einsamer Mensch sein, dachte Arkadi. Warum sonst würde er sich spät am Abend mit einem Russen ins Auto setzen und durch die Gegend fahren? Ein Tanklastwagen kam ihnen entgegen und donnerte an ihnen vorbei. Der Trabi schlingerte heftig in der Druckwelle, und Tommy strahlte vor Vergnügen. Frei nach Martin Cruz Smith
das Fahrerlebnis